Hilfe, mein Kind ist schüchtern! Was tun, wenn Kinder schwer Anschluss finden

Schuechtern-Kind

Für viele Eltern ist es ein Schreckensszenario: Die anderen Kinder toben gemeinsam auf dem Spielplatz herum und das eigene Kind steht still und unbeachtet an der Seite. Oft versuchen die Eltern das Kind dann regelrecht zur Gruppe hin zu schubsen mit Aufforderungen wie „Nun geh doch mit den anderen spielen!“ – und bereiten dem schüchternen Kind Höllenqualen. Was aber tun, um das Selbstvertrauen des Kindes zustärken?

Schüchternheit als Charakterzug akzeptieren

Kein Mensch sucht sich aus, mit welchen Charakterzügen er geboren wird. Dazu gehört auch die Schüchternheit oder eine introvertierte Persönlichkeit. Zwar lässt sich ein ängstliches schüchternes Kind bis zu einem gewissen Grad ermutigen, doch letztendlich müssen Eltern – gerade wenn sie selbst eine eher extrovertierte Persönlichkeit besitzen und leicht Kontakte knüpfen – akzeptieren, dass das Kind nun einmal anders gestrickt ist. Aus dem stillen Kind, das am liebsten alleine mit Puppen oder der Modelleisenbahn spielt, wird vermutlich nie der große Klassenclown oder mitreißende Partykönig – und das ist auch gut so. Nach Jahren, in denen nur Extrovertiertheit und (oft geheuchelte) Fröhlichkeit gefragt werden, besinnt sich die Gesellschaft allmählich wieder auf die Vorzüge der ruhigen Personen, denn schließlich sind stille Wasser zumeist tief.

Sprechen Sie mit dem Kind über seine Ängste

Mit Sätzen wie „Stell dich nicht so an!“ machen Eltern die Sache meist nur schlimmer. Beobachten Sie, dass Ihr sich der Gruppe fernhält, versuchen Sie herauszufinden, warum. Vielleicht wird die Gruppe von einem großen kräftigen Jungen dominiert, der kleinere zarte Kinder herumschubst und ihnen ihr Spielzeug wegnimmt und der Ihrem eigenen Kind Angst macht. Sprechen Sie dann mit den Eltern des Rabauken und wenn dies nicht hilft, mit dem Rabauken selbst.

Möglicherweise wird Ihr Kind auch von der Gruppe gehänselt – zum Beispiel weil es eine Brille tragen muss oder „hässliche“ Kleidung trägt. Vielleicht können Sie hier helfen, in dem Sie dem Kind andere Kleidung kaufen, die vielleicht nicht Ihrem persönlichen Geschmack entspricht, die aber der Gruppe entsprechen. Auch ein Gespräch mit den anderen Kindern hilft möglicherweise, zum Beispiel mit einem augenzwinkernden Verweis darauf, dass Brillenträger meist als sehr schlau gelten und kindliche Romanhelden wie Harry Potter ebenfalls Brillenträger sind.

Ganz wichtig: Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie seine Ängste ernst nehmen und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen. Wenn es sich ernst genommen und verstanden fühlt und weiß, dass seine Eltern stets hinter ihm stehen, ist dies die beste Stärkung des Selbstvertrauens überhaupt.

Spielkameraden nicht überbewerten

Während es für Kinder wichtig ist, dass sie in der alltäglichen Gruppe (z.B. im Kindergarten oder in der Nachbarschaft) Anschluss finden, sollten Eltern es vermeiden, Kindern Urlaubsbekanntschaften aufzuzwingen. Nur weil im gleichen Hotel auf Mallorca eine deutsche Familie mit einem gleichaltrigen Kind wohnt oder beim Wochendausflug mit Freunden ein anderes Paar ein gleichaltriges Kind hat, müssen die Kinder nicht automatisch Freunde werden. Finden die Kinder gemeinsame Interessen und verstehen sich prima, ist dies natürlich schön. Stimmt die Chemie jedoch nicht, sollten Sie es vermeiden, den Kindern die Gesellschaft aufzudrängen („Luisa kann ja mit uns in den Zoo gehen, damit ihr Spass hat“). Gerade im Urlaub sind Kinder meist vor allem dann froh, wenn ihre Eltern endlich einmal Zeit für sie haben – und nicht zu fremden Kindern abgeschoben werden.

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