Fremdsprachen für Kinder: Ab wann lohnt es sich?

Kinder Fremdsprachen

Eltern möchten ihren Kindern heute den bestmöglichsten Start im Leben sichern. Fremdsprechen sind dabei ein unverzichtbarer Bestandteil geworden, denn Studien haben oft genug bewiesen, dass sich gerade kleine Kinder sehr aufnahmefähig zeigen. Was aber ist sinnvoll beim sogenannten bilingualen Lernen und was

nicht?

Zu früh ist auch nicht sinnvoll

Babys, die gerade erst die ersten Sätze auf Deutsch formen lernen, sollten noch nicht mit Fremdsprechen konfrontiert werden, wenn sie diese nur einige wenige Stunden in der Woche hören. Ein Baby, das beispielsweise eine spanische Mutter und einen deutschen Vater hat, wird tagtäglich mit beiden Sprachen gleichmäßig konfrontiert und hat so ideale Bedingungen, beide Sprachen parallel zu lernen. Ein kleines Kind, das in der Kita aber nur zwei-drei Stunden pro Woche einige englische Kinderlieder hört – meist auch noch von Erzieherinnen, die selbst gerade mal etwas Schulenglisch können – wird wenig davon profitieren.

Generell gilt der Kindergarten als guter Einstieg in eine Fremdsprache. Aber auch hier drohen wieder Stolperfallen: So gibt es ehrgeizige Eltern, die ihre Kinder in einen bilingualen Kindergarten schicken, in dem sie neben Deutsch auch Chinesisch lernen. Was aber bringt den Kleinen ein gewisser Grundwortschatz Chinesisch, wenn sie dann in der Grundschule keinen weiterführen Chinesisch-Unterricht haben und auch sonst keine Möglichkeit vorhanden ist, die Sprache weiter zu lernen und tagtäglich zu üben? Da ist es sinnvoller, zum Beispiel auf die Weltsprache Englisch zu setzen, die dann vom Kindergarten über die Grundschule bis zum Abitur durchgängig gelernt wird.

Was können die Eltern beitragen?

Leicht haben es Eltern mit fremdländischen Wurzeln, die ihrem Kind die eigene Muttersprache als Zweitsprache beibringen. Wo dies nicht der Fall ist, sollten Eltern ihre eigenen Sprachkenntnisse realistisch einschätzen. Wer beispielsweise dem Nachwuchs schon früh Englisch beibringen will, sollte dies muttersprachlichen Kindergärtnerinnen oder Au Pairs überlassen. Schließlich bringt es dem Kind wenig, wenn es den starken deutschen Akzent der Eltern übernimmt und dessen Grammatikfehler.

Vor allem aber sollten die Eltern darauf achten, dass das Kind stets Zugang zur Fremdsprache hat, egal ob es sich um Englisch, Spanisch, Französisch oder Chinesisch handelt. Dies bedeutet: Kinderbücher in der jeweiligen Sprache zum Lesen üben, Hörbücher, Kinderfilme und Fernsehserien zum Verstehen üben und idealerweise ein Konversationspartner, mit dem die Sprache gesprochen und schriftlich geteilt wird. Gibt es keinen Muttersprachler im Freundeskreis, kann auch das Internet helfen: Überall auf der Welt suchen sich Gleichgesinnte um Sprachen miteinander zu lernen. Und möglicherweise entwickeln sich so schon früh globale Freundschaften, die später zu gegenseitigen Besuchen führen und einem echten Kennenlernen der jeweiligen Kultur.

In größeren Städten finden sich oft auch privat organisierte Gruppen, in denen Muttersprachler gegen eine kleine Gebühr Kindern ihre Sprache beibringen und sie regelmäßig üben können. Dann lässt sich zum Beispiel auch das im Kindergarten gelernte Chinesisch weiter lernen.

Kinder nicht zwingen

Kinder sind meist mit Feuereifer bei der Sache, wenn sie sich der Fremdsprache spielerisch nähern dürfen, zum Beispiel in dem sie Kinderlieder auf englisch lernen, im Urlaub in Frankreich ‚les brioches‘ und ‚les croissants‘ beim Bäcker bestellen dürfen oder mit Hilfe von Mangas erste japanische Wörter schreiben lernen.

Dabei sollte der Spaß jedoch immer im Vordergrund stehen – hat das Kind das Gefühl, ihm wird in der Freizeit das Lernen aufgezwungen, wird es vermutlich bockig reagieren. Das Pauken unregelmäßiger Verben und der Kampf mit dem französischen Subjonctif passé kommen in der Schule noch früh genug – bis dahin ist schon eine Menge gewonnen, wenn es „Sur le pont d’Avignon“ nicht nur singen kann, sondern auch versteht, was es singt.

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