Barbie und die Farbe Pink: Warum kein Anlass zur Hysterie besteht

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Kaum etwas wird im Zeitalter des dritten Feminismus so heiß diskutiert wie die Frage, ob geschlechtsspezifisches Verhalten angeboren oder anerzogen ist. Vor allem die eigentlich harmlose Farben Rosa und Pink stehen dabei häufig unter Beschuss der Feministinnen. Was aber sollen Eltern tun, deren kleine Mädchen nun einmal auf Prinzessinnen in rosa Kleidern fliegen und deren erstes Fahrrad genauso pink sein soll wie die erste Tasche für den Kindergarten?

Barbie macht aus keinem Mädchen eine Modepuppe

Neben der Farbe Pink ist die Barbie-Puppe das Lieblingsfeindbild der Feministinnen – steht sie doch mit ihrer überschlanken Figur, ihren blauen Puppenaugen und langen blonden Haaren für ein Modebild, an dem sich zahllose Mädchen versuchen und nicht wenige eine Essstörung entwickeln. Dennoch sollten Eltern nicht in Panik verfallen, wenn ihr Mädchen sich pinke Kleidung wünscht und eine Barbie-Puppe zum Spielen. Schließlich erschien die erste Barbie bereits in den 60er Jahren und hat seitdem mehrere Generationen von Mädchen beim Erwachsen werden begleitet – von denen sich die meisten zu selbständigen, emanzipierten Frauen entwickelt haben. Für die meisten Mädchen ist Barbie mit ihrer Kleidung, ihren Möbeln und ihren zahllosen Accessoires schließlich nichts anderes als ein fantasievoller Probelauf für die spätere Erwachsenenwelt – und auch Kinder sind realistisch genug zu wissen, dass diese nicht komplett mit Malibu-Villa, Reitpferd und Cabrio ausgestattet sein wird.

Lasst Mädchen kreativ sein

Sicher ließe sich viel kritisieren über die Art, wie kommerzielle Unternehmen heute eine unglaubliche Flut an Merchandise auf kleine Mädchen loslassen, schon lange ehe sie auf Barbie kommen. Prinzessin Lilifee, Lauras Stern und wie sie alle heißen, haben hier einen mindestens genauso großen Einfluss. Hier lohnt sich für die Eltern, Grenzen zu setzen und den Mädchen nicht nur Püppchen schenken, sondern auch Lego-Steine, Playmobil und ähnliches, das die eigene Kreativität fördert und die kindliche Fantasie um Ritterburgen, Piratenschiffe und Bauernhöfe ergänzt. Eltern können hier noch nachhelfen, in dem sie Mädchen Geschichten mit positiven weiblichen Vorbildern vorlesen, zum Beispiel Astrid Lindgrens unsterbliche Heldinnen Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter. Später können auch reale starke Frauen aus der Geschichte hinzugezogen werden, die sich wohltuend von Prinzessinnen abheben, die nur im Turm auf ihren rettenden Prinzen warten.

Mädchen benötigen selbständige Vorbilder

Ob ein Mädchen auf pinke Kleider und Barbie fliegt oder nicht, ist letztendlich zweitrangig. Viel wichtiger ist, was es zuhause vorgelebt bekommt: Greift Mutti auch mal zur Bohrmaschine und fährt mit der Tochter alleine einen Tag weg, oder wird stets darauf gewartet, dass Papa dies alles in die Hand nimmt? Sieht die Tochter im eigenen Umfeld selbständige Frauen, die einem Beruf nachgehen und die ganz ohne Mann alleine glücklich leben und Dinge unternehmen, oder sieht sie nur Frauen, die mit ihrem Aussehen und ihrem Gewicht hadern und deren Glück davon abhängt, einen Mann zuhause zu haben oder nicht? Diese Mädchen sind es nämlich, die dann zu Modepuppen werden um (männliche) Aufmerksamkeit zu erregen und davon ausgehen, dass der Mann schon alles wichtige Denken für sie unternehmen – und nicht die Mädchen, die früh mit Barbie spielen und dabei davon träumen, wie sie später im pinken Kleid zur Pilotin oder Astronautin werden.

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